Test des Alfa Romeo Giulia 2.2 Multijet 180 PS Aut., das italienische Gefühl

Diego G. Moreira     6 April 2018     10 min.
Test des Alfa Romeo Giulia 2.2 Multijet 180 PS Aut., das italienische Gefühl

Wir haben den Alfa Romeo Giulia getestet, die Limousine aus dem Hause Mailand, in dieser Dieselversion 2.2 Multijet II mit 180 PS und einem Automatikgetriebe mit 8 Gängen

Die Limousine von Alfa Romeo war eines der Fahrzeuge, auf die man am längsten warten musste, nachdem der berühmte 159 im Jahr 2011 vom Markt verschwunden war. Von diesem Moment an weckte der Giulia Jahr für Jahr die Erwartung, die Einzelheiten der neuen Limousine mit italienischem Antrieb zu erfahren. Auf der IAA 2015 in Frankfurt wurde der Quadrifoglio Verde vorgestellt, und einige Monate später, auf dem Genfer Automobilsalon 2016, wurde schließlich der Alfa Romeo Giulia präsentiert.

Der neue macchina aus dem Hause Mailand ist eine Limousine mit einem Design, das nur Alfa Romeo bieten könnte, und zugleich ermöglicht sie ein Fahrvergnügen am Steuer, wie man es von bestimmten deutschen Limousinen kennt. Bei dieser Gelegenheit haben wir den Alfa Romeo Giulia mit einem 2,2-Liter-Multijet-II-Dieselmotor mit 180 PS und einem Automatikgetriebe mit acht Gängen getestet, eine sparsame, aber sehr unterhaltsame Hinterradantriebsvariante.

Außendesign: die italienische Vision von Sportlichkeit und Eleganz

Der Giulia ist eine Limousine der Premiumklasse, die überall auffällt. Obwohl er schon seit einigen Jahren auf dem Markt ist, bleibt er ein Fahrzeug mit sehr auffälligem Design, ein würdiger Nachfolger des Alfa Romeo 159, und ich würde sogar sagen, mit mehr Persönlichkeit.

Am imposanten Frontbereich fällt das große Wappen der italienischen Marke auf, ein Markenzeichen ihrer Modelle. Die vordere Stoßstange mit ihren großen Lufteinlässen verleiht ihm einen sportlichen Touch, während die Scheinwerfer (bei unserem Testwagen adaptives Xenonlicht) durch ihre langgezogenen Linien Eleganz vermitteln.

Seitlich erkennt man erneut die Eleganz der Linien, fließend und ohne überladenes Design, sauber und dennoch auffällig. Den sportlichen Kontrast setzen wiederum die 18-Zoll-Felgen in der Dimension 225/45 R18 mit sportlichem Zuschnitt sowie die Bremssättel. Am Heck fallen schließlich der doppelte Auspuffendrohr und die LED-Rückleuchten auf, beide Elemente vermitteln ein Gefühl von Breite.

Innengestaltung

Der Innenraum des Giulia überzeugt durch seine Linienführung. Auch hier hat Alfa Romeo ihr ganzes Können eingesetzt, um einen rein italienischen Innenraum zu gestalten, elegant und mit sportlichen Akzenten, mit insgesamt hochwertigen Materialien, abgesehen von kleinen Details, die das insgesamt gute Gesamtbild etwas schmälern. Allerdings gehören das Lederpolster und die Holzeinlagen zu einem optionalen Paket.

Das Armaturenbrett kombiniert angenehm weiche und gut verarbeitete Oberflächen mit harten Kunststoffen an einigen Stellen und bei Bedienelementen (etwa dem Regler des Multimediasystems), alles in einer zweifarbigen Gestaltung, die dem Innenraum Eleganz verleiht. Die Sportlichkeit zeigt sich am Lenkrad, wo sich der Startknopf befindet, der an die Marke des Cavallino erinnert, sowie an der Instrumentierung, schlicht, aber vollständig und sportlich (teils analog, teils digital).

Besondere Erwähnung verdient der Bildschirm des Multimediasystems, (serienmäßig 6,5 Zoll) mit einer Glasoberfläche, die unter allen Bedingungen eine ausgezeichnete Sicht bietet und dem Innenraum zusammen mit einigen Zierleisten einen Premium-Charakter verleiht. Ein weiteres Gestaltungs- und Qualitätsdetail sind die (optionalen) Aluminium-Schaltwippen, die so mancher Sportwagen jenseits der sechsstelligen Preisgrenze gerne hätte.

Auf dem Mitteltunnel finden sich zwei Bedienelemente: der DNA-Regler und der Regler für das Multimediasystem, das sehr intuitiv ist, sobald man sich daran gewöhnt hat. Auffällig ist die Position des Lautstärkereglers auf der rechten Seite, so wie man es von einem deutschen Auto kennt.

Die Sitzposition ist tief, mit einer wenig ausgeprägten seitlichen Führung. Die Sitze sind auf Komfort ausgelegt und erfüllen diese Aufgabe gut, auch wenn sie weder elektrisch verstellbar sind noch über eine Lendenwirbelstütze verfügen. Die Rücksitze bestehen aus bequemen Sitzen, die den Körper perfekt aufnehmen, der Einstieg ist jedoch schwierig, da wenig Platz vorhanden ist und der Türausschnitt hoch ist. Obwohl es sich um eine Limousine handelt, ist der Zugang eher für ein Fahrzeug der unteren Klasse typisch. Der Beinraum ist mehr als ausreichend; außerdem gibt es Luftdüsen und eine USB-Buchse zum Laden Ihrer Geräte.

Der Kofferraum hat ein Volumen von 480 Litern, mit regelmäßiger Form, allerdings mit der für eine dreivolumige Limousine typisch schmalen Ladeöffnung.

Motor und Leistung

Unter der Haube dieses Alfa Romeo Giulia verbirgt sich ein bekannter Antrieb, entwickelt von der Fiat-Gruppe: der 2,2-Liter Multijet II, der in mehreren Leistungsstufen erhältlich ist: 136 PS, 150 PS, 180 PS und 210 PS.

Diese 180-PS-Version ist mehr als ausreichend, um am Steuer Freude zu bereiten, und sie ist sehr leistungsstark. Der Motor reagiert zunächst träge, bis man 1.800 bis 2.000 Umdrehungen erreicht, danach schiebt er mit Nachdruck, dank seiner 380 Nm Drehmoment, die direkt auf die Hinterachse wirken und so zusätzliche Sportlichkeit vermitteln.

Erstaunlich ist, dass er trotz der nicht erreichten 200 PS (in der getesteten Version) einen in den Sitz drückt, sobald man den Dynamic-Modus wählt, er ist zwar wenig progressiv, reagiert aber sehr effektiv auf die Befehle des Gaspedals. Man merkt, dass das Hauptmerkmal die Sportlichkeit ist, noch vor Effizienz oder Laufruhe, was man zu schätzen weiß, denn es bleibt ein typisches Kennzeichen der italienischen Marke, selbst bei einer Dieselimousine.

Unser Testwagen war mit dem ZF-Automatikgetriebe mit 8 Gängen und Metall-Schaltwippen ausgestattet, das korrekt funktioniert, schnell und komfortabel schaltet. Angesichts der Motorcharakteristik empfiehlt sich für alle, die den wilderen Charakter dieses Giulia entfalten möchten, jedoch eher das manuelle Getriebe.

Fahrverhalten

Dieser Giulia verdient den Namen Alfa Romeo zu Recht, denn er fällt nicht nur durch sein unverwechselbares italienisches Design auf, sondern am Steuer spürt man deutlich seine Herkunft und die DNA der Marke aus Mailand. Die Abstimmung des Fahrwerks ist perfekt, um auf schwierigen Straßen einen ausgewogenen Mittelweg zwischen Komfort und Wirksamkeit zu genießen.

Hinzu kommt der Hinterradantrieb mit (optionalem) Sperrdifferenzial, der jede Kurve und jeden Bergpass zum Vergnügen macht, sodass man beinahe vergisst, dass man eine Dieselimousine mit nur 180 PS fährt. Das Bremssystem erfüllt seine Aufgabe hervorragend, und die Lenkung ist extrem direkt – ein ideales Element für präzises Fahrvergnügen; zudem verfügt sie über eine geschwindigkeitsabhängige Servounterstützung.

Das geringe Gewicht von 1449 kg macht sich beim Fahren bemerkbar, er ist ein sehr agiles Auto. Was den Komfort angeht, eignet sich der Giulia gut für lange Fahrten oder Strecken mit vielen Kilometern. Verbesserungsbedürftig ist allerdings die Innenraumdämmung, durch die recht viel Abrollgeräusch eindringt.

Verbrauch

Beim Verbrauch ist dieser Giulia ziemlich sparsam. Auf unserer üblichen Strecke Madrid > Vigo > Madrid lag der durchschnittliche Verbrauch bei 5,4 Litern auf 100 km. Ein Wert, der dem auf unserer Landstraßenstrecke sehr nahe kommt, wobei Durchschnittswerte von 5,5 Litern auf 100 km leicht zu erreichen sind. Im Stadtverkehr steigt der Wert auf 6,5 Liter auf 100 km bei unserer üblichen Runde durch die Straßen von Vigo.

Ausstattung

Die Ausstattung des Alfa Romeo Giulia gliedert sich in drei Ausführungen: Giulia, Giulia Super und Giulia Veloce. Schon die Basisausführung bietet zahlreiche Airbags, eine Stabilitätskontrolle, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, vordere Nebelscheinwerfer, einen Spurwechsel-Assistenten, eine automatische Notbremsfunktion und weitere Elemente. Außerdem erreichte der Giulia im Bereich Sicherheit fünf Sterne beim Euro NCAP, wobei besonders der Wert von 98 % beim Insassenschutz für Erwachsene hervorsticht (er zählt damit zu den besten seiner Klasse).

Die Ausführung Giulia Super (unser Testwagen) ergänzt Elemente wie Xenonscheinwerfer, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Leder-Stoff-Polster, verchromte Außenteile und weitere Ausstattungsdetails. Die Ausführung Giulia Veloce schließlich bietet eine umfangreichere und sportlichere Ausstattung für die radikalsten Versionen der Modellpalette.

Die übrige Ausstattung ist in optionale Pakete unterteilt, die vom Premium-Soundsystem mit 14 Lautsprechern und 900 W bis hin zu leistungsstärkeren Xenonscheinwerfern mit Kurvenlicht reichen. Hervorzuheben ist an unserem Testwagen die Qualität des Soundsystems von Harman/Kardon (1.250 Euro) sowie die umfangreiche Auswahl an Sicherheitssystemen: Totwinkelwarner, automatische Notbremsfunktion, Spurwechselwarnung, Querverkehrswarner, Rückfahrkamera und weitere Elemente (alle in einem Assistenzpaket für 1.300 Euro enthalten). Optional sind außerdem die Ledersitze mit Holzeinlagen und die Sitzheizung, eine Extra-Ausstattung, die den Endpreis um 3.325 Euro erhöht.

Fazit und Preis des Alfa Romeo Giulia

Das Warten auf den Nachfolger des Alfa Romeo 159 war lang, hat sich aber gelohnt, denn der neue Alfa Romeo Giulia ist die reine Essenz italienischer Sportlichkeit, gerade das Fahrgefühl ist seine beste Eigenschaft, unabhängig davon, ob man einen Diesel mit 180 PS fährt, denn die Reaktion entspricht stets dem, was man von einem Alfa Romeo erwartet.

Auch das Komfortniveau hat uns überrascht: Er ist nicht nur dynamisch und unterhaltsam, sondern auch bequem auf langen Strecken, mit einem recht moderaten Verbrauch. Allerdings sollten die Rücksitze sowohl beim Einstieg als auch beim Platzangebot für die Passagiere verbessert werden.

Der Giulia kann mit allen möglichen Sicherheits- und Unterhaltungssystemen ausgestattet werden, schade nur, dass viele davon optional sind, ebenso wie die hochwertige Innenausstattung (mit Ledersitzen, Holzeinlagen und Sportlenkrad), denn all das treibt die Endrechnung in die Höhe, und der Giulia hat keinen besonders wettbewerbsfähigen Einstiegspreis, zumal Premiummarken inzwischen Basispakete anbieten, die alles Notwendige für ihre Einstiegsmodelle enthalten. Immerhin ist es erfreulich, dass ein Teil der Sicherheitsausstattung serienmäßig ist, mit wenigen Ausnahmen, was zweifellos zur hohen Bewertung bei den Euro-NCAP-Crashtests beigetragen hat.

Wem empfehle ich den Alfa Romeo Giulia? Liebhabern charaktervoller Limousinen, die beim Fahren einen zusätzlichen Fahrspaß suchen, denn der Giulia ist ein Auto, das die Straße zum Erlebnis macht, und gleichzeitig eine sehr eigenständige, typisch italienische Linienführung besitzt.

Der Alfa Romeo Giulia beginnt bei 33.531 Euro für den 136-PS-Diesel, während der 200-PS-Benziner bis 38.915 Euro kostet. Bei unserem Testwagen, dem Giulia Super, liegt der Grundpreis für den 150-PS-Diesel bei 37.736 Euro, während der 180-PS-Diesel 39.536 Euro kostet. Rechnet man die Extras unseres Testwagens hinzu, liegt der Endpreis bei rund 48.940 Euro.

Das vollständige Datenblatt dieses Testwagens, den Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel 180 Super Aut, finden Sie in unserem Bereich Technische Datenblätter.

Fotos | Testteam

Technische Daten dieses Autos


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