Meinung und Test Renault ZOE Z.E. 40: 300 km reale elektrische Reichweite

Diego G. Moreira     18 May 2018     10 min.
Meinung und Test Renault ZOE Z.E. 40: 300 km reale elektrische Reichweite

Wir setzen uns ans Steuer eines zu 100 % elektrischen Fahrzeugs mit einer realen Reichweite von über 300 km. So ist der Renault ZOE ZE 40, ein Stadtwagen, der keine Angst vor langen Fahrten hat

Irgendwann werden Verbrennerfahrzeuge verschwinden, das scheint in der Zukunft der Automobilwelt klar zu sein, entscheidend ist aber, wann dies geschieht, denn der Fortschritt bei Elektroautos verläuft nicht so rasant, wie man erwartet hatte, und nur wenige rein elektrische Modelle sind auf dem Markt vertreten.

Die Allianz Renault-Nissan hat seit Jahren ihre Hausaufgaben im Bereich des elektrischen Antriebs gemacht, und dafür sprechen ihre verschiedenen Modelle mit rein elektrischem Antrieb, die sowohl Renault als auch Nissan vermarkten. Tatsächlich sind sie heute Vorreiter bei der Reichweite (mit Ausnahme von Tesla, der nicht für jeden erschwinglich ist Geldbeutel). Heute haben wir den Renault ZOE Z.E. 40 gefahren, einen französischen Stadtwagen, der in seiner letzten Aktualisierung eine Reichweite von 400 km nach NEDC homologieren kann.

Äußeres und inneres Design: ein geräumiger Stadtwagen

Äußerlich wirkt der Renault ZOE sehr auffällig, denn trotz seiner Jahre auf dem Markt machen ihn seine abgerundeten Linien und seine kompakte Form nach wie vor zu einem auffälligen Auto, vor allem mit der schlichten Frontpartie, die von den großen Scheinwerfern und den LED-Tagfahrlichtern im unteren Bereich geprägt ist.

An der Seitenlinie ist erneut die Schlichtheit das Hauptmerkmal, mit runden Linien, aber ohne große gestalterische Eskapaden, und großen Türen mit einer geringen Verglasungsfläche. Das einzige erwähnenswerte Detail sind die in die Tür integrierten hinteren Türgriffe, die das Coupé-Design betonen. Am Heck ist das Auffälligste der avantgardistische Akzent der vollständig transparenten Rückleuchten, der signalisiert, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Stadtwagen handelt.

Innen ist der ZOE ein sehr komfortables Auto, sowohl am Steuer als auch auf den Rücksitzen. Die Sitzposition ist erhöht, mit hervorragender Sicht nach vorn, und alles ist griffbereit. Einzig eine Armlehne vermisst man bei längeren Fahrten. Und obwohl er nicht den Platz einer Limousine bietet, sind die hinteren Sitze für zwei Passagiere angemessen, allerdings ebenfalls in einer höheren Position als bei den meisten Stadtwagen.

Das Armaturenbrett ähnelt dem anderer Modelle der Marke, abgesehen davon, dass Schalter und Tasten fehlen. Beim ZOE ist alles einfacher gehalten. Herausragend ist das vollständig digitale Farbdisplay. Über den Touchscreen steuern wir das Multimediasystem und die Navigation und rufen Verbrauchs- und Energiesparwerte ab. Die Materialien im Innenraum sind typisch für ein Stadtfahrzeug, mit viel hartem Kunststoff, wobei die Verarbeitung recht ordentlich ist (abgesehen vom Mitteltunnel). Der Kofferraum fasst 338 Liter und reicht für den Alltag mehr als aus.

Motor und Fahrleistungen

Der Renault ZOE ist mit zwei Motoren unterschiedlicher Herkunft erhältlich: Zum einen gibt es den gängigeren, als R90 bezeichneten Motor, der von der Marke mit dem Rhombus selbst gefertigt wird und ohne Schnellladeoption auskommt. Zum anderen gibt es den Q90 von Continental, der auf intensiven Einsatz ausgelegt ist (Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen), da er Schnellladen ermöglicht, dafür aber an Reichweite einbüßt (nach NEDC nur 370 km homologiert).

Das von uns gefahrene Modell verfügt über den R90-Motor, der eine Leistung von 92 PS erreicht und ein Drehmoment von 225 Nm aufweist. Dies spürt man besonders beim Anfahren, denn das gesamte Drehmoment steht von Beginn an zur Verfügung.

Die Motorleistung reicht völlig aus, um den ZOE im Stadtverkehr sehr souverän zu bewegen (wo seine Wendigkeit außergewöhnlich ist) und auch auf der Landstraße mit einer gewissen Gelassenheit zu fahren, selbst beim Überholen. Und die Autobahn? Das ist nicht das ideale Umfeld, um die volle Reichweite auszuschöpfen, aber der Renault ZOE bewegt sich auch auf der Schnellstraße mit legalen Geschwindigkeiten souverän, abgesehen von langen Steigungen, bei denen der Energieverbrauch stark ansteigt. Ähnlich verhält es sich, wenn man die Marke von 90/100 km/h überschreitet, wodurch sich die Reichweite nahezu halbieren kann.

Das Automatikgetriebe rundet ein Gesamtbild ab, das durch Laufruhe, fehlende Geräusche und gleichmäßige, lineare Beschleunigung von Anfang an überzeugt. Besonders in der Stadt macht das Fahren Freude, vor allem, wenn man den ECO-Modus deaktiviert (der den momentanen Verbrauch auf maximal 40 kW begrenzt).

Fahrverhalten

Das Auffälligste am Steuer des Renault ZOE sind die Stille und die Laufruhe, die ein mit den Tagen immer entspannteres Fahren ermöglichen. Tatsächlich muss man in den ersten Tagen beim Einschalten zweimal auf die Meldung „Ready“ schauen, um sicherzugehen, dass das Auto wirklich eingeschaltet ist, da weder Geräusch noch Vibration zu spüren sind. Er ist nicht für kurvenreiche Bergstrecken gemacht, aber es ist erstaunlich, wie stabil er in allen Situationen bleibt, sowohl in schwierigen Kurven als auch bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn (wo der einzige Nachteil der Energieverbrauch ist).

Am besten fühlt er sich jedoch in der Stadt. Da er klein ist und das Drehmoment von Anfang an zur Verfügung steht, ist der ZOE im urbanen Verkehr sehr wendig und bewegt sich mit einer Souveränität, die nur wenige Verbrenner erreichen. Kurz gesagt: Sein Image als kleines Stadtauto hindert ihn nicht daran, auf der Landstraße Spaß zu machen und präzise auf das Lenkrad zu reagieren, mit einer sehr direkten Lenkung. Allerdings muss man sich an die Bremsen gewöhnen, denn der erste Teil des Bremsvorgangs ist keine echte Bremsung, sondern Batterieladung. Erst wenn stärker gebremst werden muss, greifen die Bremsen, die beim Rangieren etwas ruckartig sind.

Reichweite und Laden des Renault ZOE

Die reale Reichweite des ZOE 40 Z.E. unter normalen Bedingungen nähert sich 320 Kilometern. Der Renault ZOE 40 Z.E. verfügt über eine Batterie mit einer Kapazität von 41 kWh, und ist mit einer einzigen Ladung für 400 km nach NEDC homologiert. Wir haben die Reichweite unter realen Fahrbedingungen getestet und dafür das ausgedehnte portugiesische Ladenetz genutzt (unter dem Projekt Mobi.e zusammengefasst), das im Nachbarland in Radien von höchstens 50 km zahlreiche Ladepunkte bietet.

Den Reichweitentest haben wir mit vollständig geladener Batterie, auf einer Landstraßenstrecke und mit zwei Erwachsenen durchgeführt, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 50 und 70 km/h. Nach dem Test stellten wir fest, dass sich die reale Reichweite 320 km nähert. Mit noch sparsamerer Fahrweise ließe sich vielleicht noch etwas mehr herausholen, wir wollten aber eine normale Fahrweise testen. Kurioserweise hat das Auto während der Fahrt 1/3 der verbrauchten Energie zurückgewonnen, was ein Verbrenner nicht kann.

Der durchschnittliche Verbrauch des ZOE liegt bei 12 kWh pro 100 km. Auf der Autobahn steigt der Verbrauch allerdings auf 18 kWh, wodurch sich die Reichweite nahezu halbiert und auf etwa 200 km sinkt.

Beim Laden kann man das Kabel für die Schuko-Steckdose oder die Mennekes-Steckdose verwenden. Bei konventionellem Laden (Schuko oder Mennekes mit niedriger Leistung) kann die gesamte Ladezeit über 14 Stunden betragen. Lädt man an einem leistungsstärkeren Ladepunkt (bis zu 22 kW, da keine Schnellladung möglich ist), kann sich die Zeit auf knapp zwei Stunden verkürzen. Während des Tests haben wir übrigens zwischen einer Mennekes-Ladestation mit 3,7 kW und einer Schnellladesäule mit 43 kW abgewechselt, wobei das Auto maximal mit 22 kW lud.

Ausstattung und Preis des Renault ZOE

Der Renault ZOE ist mit drei Ausstattungsstufen erhältlich: Life, Intens und Bose (jeweils mit Batterie im Eigentum oder zur Miete). Schon die Basisausstattung umfasst eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorn, ein Multimediasystem mit Touchscreen und Navigation, Stabilitätskontrolle, mehrere Airbags und weitere Elemente. Die ausgewogenste Ausstattung ist der Intens (den wir gefahren sind), der zusätzlich elektrische Fensterheber hinten, ein spezielles Arkamys-Soundsystem, Keyless-Start sowie Licht- und Regensensor bietet.

Beim Preis des Renault ZOE sind die beiden Optionen bezüglich der Batterie zu berücksichtigen: Kauf oder Miete (Flexi). Erhältlich ist er ab 20.780 Euro mit gemieteter Batterie (staatliche Förderungen sind hierin noch nicht enthalten). Bei einer Batterie im Eigentum steigt der Preis auf 27.850 Euro. Persönlich empfehle ich die Miete der Batterie, denn neben dem niedrigeren Preis übernimmt die Marke bei Problemen mit der Batterie die Verantwortung, was für mehr Sicherheit sorgt.

Renault hat dies bereits beim Twizy, seinem ersten rein elektrischen Fahrzeug, praktiziert und führt es nun beim ZOE fort: die Batteriemiete. Die Batterien können zwar gekauft werden, aber wenn man nicht viele Kilometer im Jahr fährt, ist die Miete eine Option, die man in Betracht ziehen sollte. Beim Renault ZOE können die Batteriemiete zwischen 70 und 190 Euro im Monat betragen, je nachdem, wie viele Kilometer man fährt.

Persönliche Meinung zum Renault ZOE Intens Flexi

Nach mehreren Tagen am Steuer des ZOE hat er mich sehr positiv überrascht. Diese neue Generation, die 400 km homologiert, erreicht im normalen Gebrauch zwar nicht ganz diese Reichweite, aber 300 km sind problemlos machbar. Damit haben wir ein Auto mit einem deutlich größeren Aktionsradius als andere Elektroautos auf dem Markt, das Strecken ermöglicht, die bisher mit einem Elektroauto undenkbar waren (abgesehen von den berühmten und unerschwinglichen e-Tesla). Es fehlt jedoch noch ein gutes Ladenetz, wie es die Nachbarländer haben (etwa Portugal, das man dank seiner über 500 frei zugänglichen und kostenlosen Ladepunkte fast vollständig mit einem Elektrofahrzeug befahren kann). Für alle, die ein Auto für Fahrten zwischen Städten oder vom Stadtrand in die Innenstadt suchen, ist er aber eine mehr als interessante Option.

Außerdem ermöglicht er ein Wochenende mit 200 km Fahrt ohne größere Probleme, sofern am Ziel ein Ladepunkt verfügbar ist. Allerdings sollte man bedenken, dass viele Fahrer ihr Auto selten für Strecken über 100 km nutzen. Am sinnvollsten ist der Einsatz im Unternehmensbereich und bei öffentlichen Verwaltungen, denn alle täglichen Strecken unter 200 km sind für einen ZOE problemlos zu bewältigen, mit einer durchaus vernünftigen Ladezeit (zwei Stunden) an einem guten Ladepunkt.

Fotos | Diego G. Moreira
Dank an Renault Spanien und Rodosa für die unkomplizierte Überlassung des Fahrzeugs.


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