Am Steuer des Denza BAO 5: weit mehr als Leistung, um es mit den Größten aufzunehmen

Antonio Roncero    @roncero_antonio    28 October 2026     11 min.
Am Steuer des Denza BAO 5: weit mehr als Leistung, um es mit den Größten aufzunehmen

Betrachtet man seine technischen Daten, seine Ausstattung und seinen Preis, dann ist der Denza BAO 5 durchaus in der Lage, potenzielle Käufer, die einen Land Cruiser oder einen Defender in Betracht ziehen, ins Grübeln zu bringen: immerhin 544 CV, bis zu 90 Kilometer elektrische Reichweite, Differentialsperren und eine ausgeklügelte, höhenverstellbare adaptive Federung.

Die Herausforderung für Denza wird darin bestehen, einen potenziellen Käufer davon zu überzeugen, dass er sich auf den BAO 5 und seine Technik verlassen kann, wenn der Asphalt endet und die Schwierigkeiten beginnen. Anders gesagt: Er muss mit den großen Namen des Geländewagensegments konkurrieren können und dabei einen luxuriösen Innenraum mit einer Plug-in-Hybrid-Technik verbinden, die für den Einsatz abseits befestigter Straßen gedacht ist.

Das Angebot ist sehr attraktiv. Es wirft aber auch eine unvermeidliche Frage auf: Sind die potenziellen Kunden dieser Fahrzeugklasse, in der der Durchschnittspreis über 80.000 Euro liegt, bereit, einem Geländewagen einer chinesischen Neueinsteigermarke zu vertrauen, vollgepackt mit Elektronik und elektrifiziert, so wie sie es beim Land Cruiser tun?

Nach einer Fahrt auf der Straße und der Bewältigung einiger Hindernisse auf einer eigens für diesen Anlass angepassten Motocross-Strecke haben wir eine erste Antwort: Die Argumente sind vorhanden. Sich einen Ruf zu erarbeiten ist jedoch eine andere Sache, und wir werden genau verfolgen, wie Denza dabei vorgeht. Die Marke steht in einem anderen Segment mit dem spektakulären Denza Z9 GT vor einem ganz ähnlichen Dilemma und tritt dort gegen Marken wie Mercedes-Benz selbst an.

Ein kleiner Markt mit sehr etablierten Vorbildern

Mit rund 2.200 Verkäufen pro Jahr in Spanien ist das Segment dieser Geländewagen klein und wird von sehr etablierten Akteuren dominiert, wobei der Land Rover Defender und der Toyota Land Cruiser die wichtigsten Referenzen sind.

Der Denza BAO 5 kommt mit einem Plug-in-Hybridkonzept auf den Markt, aber er ist nicht der Einzige, der elektrisches Fahren mit Geländefähigkeit verbindet. Auch der Defender ist mit PHEV-Versionen erhältlich, während Mercedes die Elektrifizierung mit der elektrischen G-Klasse noch weiter vorantreibt.

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Die Chance des Denza liegt in der Art, wie er seine Argumente bündelt, und in allem, was er zu einem Einstiegspreis von 76.290 Euro bietet. Rechnet man nach, ist das immer mehr als das, was seine Rivalen bieten: mehr Reichweite, mehr Leistung, mehr Ausstattung … In diesem Marktsegment zählen jedoch besonders die gesammelte Erfahrung, der Kundendienst und das Vertrauen, das jede Marke ausstrahlt. Hier muss Denza weiter aufbauen, denn das Produkt hat er bereits.

544 CV und eine Elektrifizierung, die Sinn ergeben kann

Der BAO 5 nutzt die Architektur DMO, Abkürzung für Dual Mode Off-road, die speziell für Plug-in-Hybridfahrzeuge mit Geländeorientierung entwickelt wurde. Sie kombiniert einen längs eingebauten 1,5-Liter-Turbobenziner mit 150 CV mit zwei Elektromotoren: einem vorderen mit 272 CV und einem hinteren mit 388 CV. Die Gesamtleistung beträgt 544 CV, das maximale Drehmoment 760 Nm. Die einzelnen Werte lassen sich nicht einfach addieren, da jede Komponente ihr Maximum unter unterschiedlichen Bedingungen erreicht und das System eigene Betriebsgrenzen hat.

Die angegebenen Fahrleistungen sind beeindruckend, mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden. Für den Alltag interessanter ist die Batterie mit 31,8 kWh, die eine Homologation von bis zu 90 Kilometern im Elektrobetrieb erlaubt. Wer zu Hause laden kann, kann damit viele Alltagsstrecken ohne Benzinverbrauch zurücklegen. Für Langstrecken sorgt der Verbrennungsmotor für Flexibilität und ermöglicht eine kombinierte Reichweite von bis zu 835 Kilometern bei voller Batterie und vollem Tank. Wichtig: Das ist ein homologierter Wert, keine Strecke, auf die man sich auf einer Bergfahrt, beim Ziehen eines Anhängers oder im Gelände verlassen sollte.

Das Laden erlaubt bis zu 11 kW Wechselstrom und 100 kW Gleichstrom. Schnellladen ist nützlich, um während einer Pause elektrische Reichweite nachzuladen, auch wenn die Wirtschaftlichkeit eines PHEV vor allem davon abhängt, dass man ihn regelmäßig an die Steckdose anschließt.

Leiterrahmen und Sperren: mehr als nur Abenteuer-Optik

Die kantige Form, das außen montierte Reserverad und die Proportionen der Karosserie vermitteln Robustheit. Entscheidend ist aber das, was darunter liegt: Der BAO 5 verwendet einen Leiterrahmen mit Quertraversen, Einzelradaufhängungen und integriert die Batterie per Cell-to-Chassis-Technik. Diese Anordnung soll die Batterie in der Struktur schützen und ihre Masse tief positionieren.

Die Traktion umfasst elektronische Differentialsperren an Vorder- und Hinterachse sowie ein zentrales intelligentes Management, das die Kraftverteilung zwischen beiden Motoren koordiniert. Das ist wichtig, denn obwohl die Marke von drei Sperren spricht, sollte die Funktion des zentralen Systems nicht mit der eines herkömmlichen mechanischen Differentials verwechselt werden. Was bringt das dem Fahrer? Das System kann die verfügbare Kraft so steuern, dass ein Traktionsverlust an einzelnen Rädern nicht zum Stillstand führt. Die schnelle Reaktion und die feine Dosierung der Elektromotoren erleichtern außerdem das langsame Überfahren von Hindernissen.

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Beide Versionen haben an beiden Achsen eine unabhängige Doppelquerlenker-Aufhängung. Doch die Ausstattungslinie Ultimate ergänzt das intelligente hydraulische System DiSus-P. Es ist eines der interessantesten Elemente des Fahrzeugs. Es nutzt Informationen von mehr als 20 Sensoren, um seine Funktion anzupassen, und erlaubt es, die Karosseriehöhe in einem Gesamtbereich von 140 Millimetern zu verändern: 90 nach oben und 50 nach unten. Die Bodenfreiheit kann dabei immerhin 310 Millimeter erreichen, mit Rampenwinkeln von 39 Grad vorne und 34 Grad hinten.

In der Praxis bedeutet das Anheben des Fahrzeugs mehr Spielraum beim Überwinden von Hindernissen, ohne den Unterboden aufzusetzen, und eine bessere Fähigkeit, steile Ein- und Ausfahrten zu bewältigen. Das Absenken der Karosserie erleichtert den Einstieg – besonders mit den ausfahrbaren Trittbrettern, die sich beim Öffnen der Tür automatisch ausklappen. Die Federungsregelung wiederum passt das Ansprechverhalten an unterschiedliche Situationen an. Außerdem gibt es eine Selbstnivellierung beim Parken, die etwa für Fahrer nützlich ist, die einen Dachzelt-Aufbau aus dem Zubehörkatalog von Denza nutzen wollen, da sie die Karosserie waagerecht hält, auch wenn der Untergrund es nicht ist.

Abgerundet wird das Paket durch ein echtes Arsenal an Fahrmodi, darunter Programme für Schnee, Schlamm, Sand, Felsen oder Wasserdurchfahrten, zusätzlich zu den Modi Sport, Normal, Eco …

Bei diesem ersten Kontakt haben wir auf einer für die Präsentation vorbereiteten Motocross-Strecke Steigungen und Kämme überwunden. Der BAO 5 hat die vorgesehenen Übungen souverän gemeistert, und das Potenzial von Federung, Traktion und Sperren ist hoch. Dennoch lässt sich aus dieser Erfahrung noch nicht ableiten, dass er das Niveau eines Land Cruiser oder einer G-Klasse im extremen Geländeeinsatz erreicht. Dafür müsste er sich schwierigen Brückenüberquerungen, ungünstigen Auflagepunkten, Wasserdurchfahrten und Zonen mit geringer Haftung stellen. Außerdem müsste man prüfen, wie er reagiert, wenn über längere Zeit Schwierigkeiten aufeinanderfolgen, abseits einer präparierten Strecke und unter wechselnden Ladebedingungen.

Der erste Eindruck ist sehr positiv, doch wenn ich jetzt wetten müsste, glaube ich, dass der BAO 5 einem direkten Vergleich mit einer G-Klasse und ihren drei mechanischen Differentialsperren in den schwierigsten Situationen abseits des Asphalts nicht standhalten würde. Auf der Straße wäre ich mir dagegen nicht so sicher. Hier ist eine ausführlichere Prüfung nötig. Eines dürfen wir aber nicht übersehen: Die günstigste G-Klasse kostet … fast das Doppelte des BAO 5!

Auf der Straße: komfortabel und mit viel Druck

Auf Asphalt ist der BAO 5 relativ komfortabel und vermittelt ein deutliches Gefühl von Leistungsreserven. Die Fahrleistungen sind da: Man muss nur Beschleunigung abrufen, um zu sehen, dass er sein beachtliches Volumen und seine mehr als 3 Tonnen entschlossen bewegt. Man kann entspannt reisen, sollte seine Beschleunigungsfähigkeit aber nicht als Einladung verstehen, ihn wie einen sportlichen SUV zu fahren, vor allem bei diesem Gewicht. Der niedrige Schwerpunkt hilft jedoch, in Kurven Vertrauen zu vermitteln.

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Der ungünstigste Aspekt auf der Langstrecke ist das Geräusch. Wenn man beim Beschleunigen abrupt statt progressiv Leistung abruft, ist der Benzinmotor deutlich zu hören, mehr als man erwarten würde. Das ist keineswegs unangenehm, mindert aber etwas die Verfeinerung. Und wie bei anderen Fahrzeugen dieser Art, deren Aerodynamik den Wind nicht gerade optimal zerteilt, gewinnt die Luft bei höherem Tempo an Bedeutung, was der BAO 5 mit erstaunlicher Leichtigkeit ermöglicht.

Für eine aussagekräftige Verbrauchszahl bräuchten wir einen längeren Test. Bei einem Plug-in-Hybrid zählt außerdem sowohl der verbrauchte Kraftstoff als auch der Stromverbrauch und der Ladezustand zu Beginn und am Ende der Strecke. Als Richtwert gilt: Auf der Testroute, die fast ausschließlich über die Autobahn führte, abgesehen von der kurzen Offroad-Einheit auf der Strecke, lag der Durchschnitt bei 10,5 l/100 km, ein bemerkenswerter Wert.

Sehr gute Verarbeitung und eine überzeugende Ausstattung

Der Innenraum ist eine seiner Stärken, mit Materialien und einer Verarbeitung, die schon beim ersten Kontakt Qualität vermitteln. Zur Ausstattung gehören ein digitales 12,3-Zoll-Kombiinstrument, Head-Up-Display, ein 15,6-Zoll-Zentralbildschirm mit Google-Diensten und ein weiterer Bildschirm für den Beifahrer. Die vorderen Sitze bieten elektrische Verstellung, Heizung, Belüftung und Massage, die Fondsitze verstellbare Lehnen und Sitzheizung.

Die Ausstattungslinie Ultimate ergänzt unter anderem Nappaleder und eine Belüftung im Fond. Das Soundsystem von Devialet kann bis zu 18 Lautsprecher umfassen. Für Ausflüge gibt es praktische Lösungen wie das gekühlte und beheizbare Fach mit 4,5 Litern Volumen oder die Funktion V2L, mit der externe Geräte mit bis zu 6 kW direkt aus der Fahrzeugbatterie versorgt werden können, eine praktische Möglichkeit, bestimmte Geräte ohne Generator zu betreiben. Dagegen beeindrucken die 475 Liter Kofferraum nicht besonders, wobei der Zuschnitt gut nutzbar ist und sich durch Umklappen der zweiten Sitzreihe auf 1.069 Liter erweitern lässt. Die Anhängelast beträgt bis zu 2.500 kg.


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Das spanische Angebot umfasst zwei Versionen: den BAO 5 Elegance zum Preis von 76.290 Euro und den BAO 5 Ultimate, der bis zu 86.420 Euro kostet.

Der Elegance bietet bereits eine umfangreiche Ausstattung, doch für 10.000 Euro mehr bekommt man beim Ultimate die Federung DiSus-P, elektrische Trittbretter, Nappa-Ledersitze, bessere Bremsen mit festsitzenden Vorderradbremszangen und einige weitere Komfortdetails. Vor allem wenn das Interesse am Fahrzeug mit der Nutzung seiner Geländequalitäten verbunden ist, verdient der Ultimate besondere Aufmerksamkeit.

Die angegebene Garantie beträgt sechs Jahre oder 150.000 Kilometer für das Fahrzeug, acht Jahre oder 150.000 Kilometer für den Antriebsstrang und acht Jahre oder 250.000 Kilometer für die Batterie.

Alternativen zum Denza BAO 5? Das hängt davon ab, was man sucht

Der BAO 5 hat gute Argumente, doch seine Rivalen bieten gewichtige Gründe, die seine Stärke beim Preis-Leistungs-Verhältnis ausgleichen können. Die Entscheidung hängt davon ab, was man vom Fahrzeug erwartet und wie wichtig einem eine bekannte Erfolgsgeschichte im Vergleich zu einem neuen Konzept ist.

Ich würde einen Toyota Land Cruiser wählen, wenn man einen Geländewagen sucht, den man viele Jahre behalten, häufig unter anspruchsvollen Bedingungen einsetzen und dessen Vertrauenswürdigkeit einer Modellfamilie mit jahrzehntelanger Erfahrung zählt. Sein Ruf für Robustheit bleibt ein wichtiges Argument für alle, die das Gelände mehr als nur als gelegentlichen Ausflug betrachten. Wohlgemerkt: Ich sage nicht, dass der Denza weniger zuverlässig sein wird, nur dass vielen Käufern wohl noch der Nachweis seiner Haltbarkeit fehlt. Und das braucht Zeit.

Ich würde mich eher für einen Land Rover Defender PHEV entscheiden, wenn man Geländefähigkeit, Reisekomfort und den Alltag im elektrischen Modus kombinieren möchte und vor allem Design, Markenimage und die Erfahrung eines etablierten Herstellers in diesem Segment schätzt. Allerdings muss man sagen, dass die Marke in letzter Zeit etwas von dem Ruf als zuverlässiges und robustes Fahrzeug verliert, für den sie immer stand.
Er ist die dem Denza-Konzept nächste Alternative, aber man sollte konkrete Versionen und Ausstattungen vergleichen, bevor man Schlüsse über den Preis zieht. Ein Defender 110 S PHEV startet bei 85.700 Euro und reicht bis zu 126.500 Euro beim 110 X PHEV.

Auch die elektrische Mercedes G-Klasse gehört in diese Reihe für alle, die einen elektrifizierten Luxus-Geländewagen wollen und ihre Ladebedürfnisse auf Reisen und Routen unterbringen können. Ihre Preisposition macht sie jedoch zu einem direkten Vergleich mit dem BAO 5 ungeeignet: Es sind über 160.000 Euro. Die „günstigste“ G-Klasse, der 450d mit 367 CV, startet bei 150.00 Euro.

DENZA BAO 5 – Bildergalerie

 

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